Tipps und Impulse für Gesprächsleiter

Die Vorbereitung

  1. Mache dich mit der Lektion vertraut
    • Studiere die Lektion gründlich, möglichst am Anfang der Woche.
    • Lies die angegebenen Bibeltexte in unterschiedlichen Bibelübersetzungen.
    • Ziehe ein Bibellexikon oder einen Kommentar zu Rate.
  2. Anliegen der Studienanleitung erfassen
    • Was ist der entscheidende Grundgedanke?
    • Wie kann ich ihn aktualisieren?
    • Welches Ziel will ich ansteuern?
  3. Schwerpunkte und Fragen festlegen
    • Welche Gedanken will ich unbedingt besprechen?
    Vorsicht! Manchmal schlägt eine Frage dermaßen ein, dass der Austausch darüber mehr Zeit in Anspruch nimmt als geplant. Dann muss man spontan abwägen, welche geplanten Themen und Fragen zu „opfern“ sind, um am Ende das gesteckte Ziel doch zu erreichen. – Und bitte keine Bemerkungen darüber, wie ach so wenig Zeit wir wieder haben, um „alles“ zu besprechen. Es liegt an dir, das zu besprechen, was wichtig ist und zum Ziel führt.
    • Welche Bibeltexte lesen?
    • Welche Fragen stellen?
  4. Checkliste
    • Bin ich mir über das Anliegen des Wochenthemas im Klaren?
    • Welches Ziel verfolge ich in meinem Gesprächskonzept?
    • Welche Begriffe muss ich klären?
    • Bin ich über die historischen Hintergründe des Textabschnittes informiert?
    • Lädt die Startfrage zum Gedankenaustausch ein?
    • Sind die Fragen, die ich stellen will, verständlich, interessant und bedeutungsvoll, lebensnah?
    • Welche Art von Fragen stelle ich? Diskussionsfragen? Nur Wissensfragen?
    • Geht mein Abschluss (Frage oder Bemerkung) auf das Anliegen des Textes ein? Wird er dem Gesprächsziel gerecht?
    • Hätte ich selbst Freude daran, mit Hilfe meines Gesprächskonzepts den Bibelabschnitt zu entdecken, bzw. zu den Gesprächsteilnehmern zu gehören?
    • Reißt mein Gesprächskonzept zu viele Grundprobleme an? Sollte ich mich lieber auf weniger beschränken?
    • Welche Fragen könnte ich auslassen, falls die Entfaltung des Themas zu viel Zeit in Anspruch nimmt?


Persönliche Einstellungen des Gesprächsleiters

  1. Balance zwischen Gesprächspartner und Lehrer bewahren
    • Gruppe verfügt oft über mehr Wissen und Erfahrung als der Leiter
    • Aktivierung zum Denken
    • Einflechten von nötigen Informationen
    • Kein Belehren, kein Abfragen, kein Vortrag
    • Nicht Alles- oder Besserwisser sein
  2. Offenheit für neue Einsichten zeigen
    • Gesprächsziel der Gruppe kann von deinem Gesprächsziel abweichen
  3. Grenzen des Verstehens akzeptieren
    • Nicht jeder Teilnehmer stimmt der neuen Erkenntnis zu
    • Manche Fragen können nicht (restlos) geklärt werden
  4. Unparteiisch bleiben
    • Zulässige Meinungsverschiedenheiten aushalten
  5. Jede Antwort so positiv wie möglich anerkennen
  6. Mehr als eine Antwort auf deine Frage erwarten
  7. Klare Sprache verwenden
    • Vermeide Fachausdrücke, auch theologische
    • Unklare Begriffe definieren (Was meinst du mit...?)
    • Biblische Redeweise auch in moderne Sprache bringen
  8. Beachtung des „sozialen Kreises“
    • Besteht aus Lehrer/Leiter und aktiven Teilnehmern
    • Passive Teilnehmer fühlen sich als Zaungäste
    • Je früher ein Teilnehmer etwas sagt, desto leichter fällt die weitere Beteiligung
    • Beteiligungsfreundlichkeit steht im umgekehrten Verhältnis zur Redefreudigkeit des Lehrers
  9. Ein guter Lehrer versucht, der Gruppe rasch das Gefühl der Zugehörigkeit zu geben
    • Alle Teilnehmer möglichst schnell am Gespräch beteiligen: Aufzählungsfrage, Rundgespräch
    • Vermeide lange Einleitungen oder viele Erklärungen
  10. Wie kann man stumme Teilnehmer zum Reden bringen?
    • Häufigen Augenkontakt wahren (oft ansehen)
    • Auf Körperzeichen achten, z. B. Kopfbewegungen, Augen
    • Gelegentlich ihre Meinung erbitten
    • Ein Rundgespräch einschieben
  11. Alle Teilnehmer im Blick bewahren.
    • Achte auf erhobene Hände
    • Beachte zaghafte Äußerungen und Gesten
    • Höre interessiert zu, bis der andere ausgeredet hat


Grundregeln für das Gespräch

  1. Guter Start mit geeigneter Startfrage, auf erste Antwort warten
  2. Schaffen einer angenehmen und entspannten Atmosphäre, Kampfgeist durch Neutralität verhindern
  3. Gesprächsleiter und nicht Dozent sein; echte Fragen stellen.
  4. Zuhören und Meldungen der Teilnehmer registrieren.
  5. Die Schüchternen fördern und die Vorwitzigen dämpfen.
  6. Fragen möglichst aus der Gruppe an die Gruppe zurückgeben.
  7. Gleichzeitiges Reden unterbinden.
  8. Angemessene Haltung einnehmen ‑ nicht zu lässig und auch nicht zu steif.
  9. Ständiger Blickkontakt.
  10. Bei theologisch falschen Antworten:
    • Wenn sie nicht so im Raum stehen bleiben können, der Gruppe die Möglichkeit zur Korrektur lassen.
    • Kommt keine Reaktion der Klasse, muss der Gesprächsleiter Stellung beziehen.
    • Dabei ist er häufig besser beraten, wenn er nicht seine eigene Meinung wiedergibt („Ich denke...”), sondern wenn er sich auf die Bibel oder manchmal auch auf die Gemeinde beziehen kann:
      1. „Die Bibel sagt dazu ...“
      2. „Die Auffassung der Adventgemeinde ist ...”.
  11. Möglichst keine Bewertungen zur Qualität der Antworten abgeben. Neutral und unparteiisch bleiben.
    • Negative Bewertungen können verletzen (z. B. „Die Antwort ist falsch.”).
    • Lob in der Gruppe einer einzelnen Person gegenüber kann andere indirekt herabsetzen (z. B. „Das war eine sehr gute Antwort.”).
  12. Vorsicht mit Tadel gegenüber der Gruppe, z. B. wegen mangelnder Beteiligung (Nicht: „Die Frage ist doch wirklich nicht zu schwer!“). Das Problem ist häufig nicht die Gruppe, sondern der Gesprächsleiter.
  13. Rechtzeitiges Abbrechen eines Fragenkreises und Weitergehen zum nächsten Gedanken.
  14. Möglichst alle Teilnehmer ins Gespräch einbinden (z.B. durch ein Rundgespräch).
  15. Keine Sprache Kanaans, sondern einfache und moderne Sprache verwenden.
  16. Flexibilität: Fragen umstellen, die man sich notiert hat, und/oder Fragen auslassen, wenn nötig.
  17. Nicht über Zeitmangel klagen.
  18. Antworten bei schwieriger akustischer Situation evtl. wiederholen, damit sie jeder verstehen kann.
  19. Gelegentlich zusammenfassen, um das Gespräch zu strukturieren.
  20. Gliederung erkennbar werden lassen.
  21. Ziel erreichen.
  22. Beim Abschluss in zwei bis drei Kernsätzen das Hauptthema des Bibelgesprächs zusammenfassen.


Die Kunst der Fragestellung

Zu vermeidende Fragetypen

  • Ja/Nein‑Fragen
    Diese Fragen lassen nur eine einzige Antwort zu und zwar entweder ein „Ja“ oder ein „Nein“.
    Hat Gott die Welt erschaffen?
  • Entscheidungsfragen
    Sie führen dazu, dass der Gesprächspartner aufgefordert wird, einen Standpunkt zu beziehen. (Entscheidungsfragen haben ihren Ort in Bibelstunden – und dort müssen sie mit viel Takt gewählt werden).
    Willst du nach dem Vorbild Jesu den Sabbat halten?
  • Suggestivfragen
    Es sind Fragen, die den anderen beeinflussen und in eine Richtung drängen.
    Erhört Gott nicht auch heute noch Gebete?
  • Ein-Wort‑Fragen
    Man kann nur mit einem einzigen Wort antworten.
    Wen verriet Judas?
  • Schwarz‑Weiß‑Fragen
    Man muss zwar mit einem ganzen Satz antworten, aber der Befragte kann sich nur zwischen weiß und schwarz, gut und schlecht entscheiden.
    Welche Absicht hat Satan mit uns?
  • Doppelfragen
    Zwei Fragen werden miteinander verbunden.
    Warum war Johannes Prophet, und welche Aufgaben hatte er?

Echte Fragen – Fragen für das Gespräch

  1. Fragen zum Bibeltext haben immer das Ziel, die Aussage eines Textes zu klären, nicht sofort Offensichtliches zu erkennen und Zusammenhänge deutlich zu machen. Dazu gehören:
    • Sachfragen
      Um den Bibeltext zu erklären.
      z. B. Warum schickte Gott Jeremia zum Töpfer?
    • Aufzählungsfragen
      Es können mehrere Elemente aufgelistet werden.
      z. B. Welche unterschiedlichen Titel für Christus finden wir in diesem Textabschnitt?
  2. Fragen zur Anwendung wollen helfen, biblische Wahrheit im Alltag in die Tat umzusetzen – von der Theorie zur Praxis zu gelangen. Wir nennen sie auch „echte Fragen“.

Das Rundgespräch

Hierbei wird eine Frage nach der persönlichen Überzeugung bzw. einer Erfahrung zu einem bestimmten Thema gestellt. Der Gesprächsleiter erklärt dann die Regeln des Rundgesprächs: Einer beantwortet als erster die Frage, dann nickt er entweder seinem rechten oder linken Sitznachbarn zu, der nun als nächster die Frage beantworten darf. So geht es Reihum. Wer nicht antworten möchte, gibt einfach weiter. Manchmal ist es hilfreich, dem Sprecher einen Gegenstand (Kugelschreiber, Stein etc.) in die Hand zu geben; der Gegenstand wandert dann mit dem Recht zu sprechen im Kreis. Die Antworten werden nicht kommentiert, sondern stehen gelassen. Es wird nicht diskutiert – wir hören einander aufmerksam zu.

Katechetische Fragen

  1. Wer katechetische Fragen stellt, fungiert als Lehrer, der seine Schüler abfragt. Zu den katechetischen Fragen gehören praktisch alle Fragen, die wir als „zu vermeidende Fragetypen“ kategorisiert haben, vor allem aber „Ja/Nein‑Fragen“ und „Einwort‑ und Einsatz‑(Schwarz‑Weiß‑)Fragen“.
  2. Auf solche Fragen antwortet man als Erwachsener nur ungern oder gar nicht. Man fühlt sich wie ein Kind behandelt. Wer antwortet schon gern auf solche Fragen wie:
    • Wer erweckte den toten Lazarus zum Leben?
    • Also hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen ...?
  3. Das Entscheidende bei katechetischen Fragen: es kommt kein echtes Gespräch zustande. Das Bibelgespräch wird vom Lehrer „gemacht”, ohne dass es zu einem Austausch und zu einer echten Beteiligung kommt. Die Folgen bei den Teilnehmern:
    • Frustration
    • Langeweile
    • Stereotype Antworten
    • Geringe Beteiligung


Machen wir uns den Unterschied noch einmal bewusst:

Katechetische Fragen Echte Fragen
Bevormunden Wirkliches Interesse
Von oben herab Auf gleicher Stufe
Kindergarten Gespräch unter Erwachsenen
Wissen abfragen Verschiedene Auffassungen abwägen
Der Fragende weiß die Antwort Der Fragende weiß die Antwort „nicht“
Der Fragende kontrolliert richtig oder falsch Der Befragte steht vor einer Entscheidung
Einwort- oder Schwarz-Weiß-Fragen Meinungsfragen
Belehrende Grundhaltung Fragende Grundhaltung

Die Startfrage

  1. Die Startfrage soll…
    • … auf das Ziel des Gespräches hin ausgerichtet sein.
    • … das Gespräch eröffnen.
    • … eine Vielzahl von Antworten ermöglichen (also eine „echte Frage“ sein).
    • … möglichst eine Frage aus dem Alltag sein.
    • … möglichst eine echte Problemstellung enthalten.
    • … Sie kann auch eine Definitionsfrage sein.
  2. Eine Gefahr bei der Startfrage: man bleibt bei ihr hängen. Deshalb muss der Gesprächsleiter hier oft den Mut haben, zum rechten Zeitpunkt das Gespräch „weiter zu leiten“!
  3. Wer dieser letztgenannten Gefahr ausweichen will, kann auch direkt mit einem Bibeltext in das Gespräch starten. Doch gilt auch hier: Der Start muss das Ziel im Blick haben!


Die Lehrervorbereitung

Wann soll die Lehrervorbereitung stattfinden

  1. Am Sabbat vor dem Gottesdienst
  2. Während der Woche
    • Hat insbesondere den Vorteil, die Erkenntnisse aus der Lehrervorbereitung in das eigene Gespräch noch gut einbauen zu können.

Sinn und Zweck der Lehrervorbereitung

  1. Gedankenaustausch über das geplante Gespräch in der Sabbatschulgruppe.
  2. Neben inhaltlichen Fragen (was?) werden vor allem auch methodisch-didaktische Vorgehensweisen (wie?) besprochen.
  3. Die einzelnen Sabbatschullehrer sollen Klarheit darüber gewinnen, wie sie im Bibelgespräch vorgehen wollen.
  4. Die persönlichen Gesprächskonzepte werden durch hilfreiche Ergänzungen (Gesprächsziele, Gedanken, Diskussionsfragen, Startfragen) der anderen Teilnehmer bereichert.

Was die Lehrervorbereitung NICHT ist

  1. Vorgezogene Sabbatschulklasse
  2. Ersatz für die persönliche Vorbereitung
  3. Gleichschaltung der Sabbatschullehrer
  4. Zeitvergeudung

Die Gesprächsleiter kommen ...

  1. Pünktlich
  2. Mit ausgefüllter und vorbereiteter Lektion
  3. Vorschlag Startfrage
  4. Vorschläge für Fragen
  5. Vorschlag für Zielsetzung
  6. Ideen für die Gesprächsführung

Schwerpunkte der Lehrervorbereitung

  1. Kernbotschaft des Themas und persönliche Ziele besprechen
    • Was ist für euch die Kernbotschaft dieses Themas?
    • Welches persönliche Ziel habt ihr für das Gespräch?
  2. Welche aktuellen Schlussfolgerungen oder praktische Konsequenzen stehen für euch dahinter?
  3. Offene Fragen / Klärungsbedarf
  4. Welche inhaltlichen und theologischen Fragen zum Thema müssen wir klären?
  5. Auf welche inhaltlichen Fragen, die in der Klasse gestellt werden könnten, sollten wir vorbereitet sein?
  6. Roter Faden: Wichtige Gedanken / Diskussion
    • Welche Gedanken und Themen würdet ihr gerne in der Klasse ansprechen?
    • Mit welchen Diskussionsfragen wollt ihr diesen Gedanken (dieses Thema) ins Gespräch bringen?
    • Wie reiht ihr eure Gedanken/Themen bzw. Fragen aneinander, so dass sie einen roten Faden ergeben?
  7. Einstieg / Startfrage
    • Mit welcher Startfrage würdet ihr in das Thema einsteigen?
    • Welche Alternativen stehen zur Verfügung?
  8. Abschluss
    • Mit welcher Frage wollt ihr das Gespräch abschließen?
    • Welches Aha-Erlebnis sollte am Ende stehen?

Vorschlag für den Ablauf einer Lehrervorbereitung

  1. Gebet
  2. Ziel des Bibelgesprächs besprechen
  3. Gliederung und Gesprächsaufbau festlegen
  4. Startfragen überdenken und beste Startfrage(n) finden
  5. Abschluss besprechen
  6. Theologische Probleme klären (sofern vorhanden)
  7. Zusätzliche Anregungen geben
  8. Bibeltexte festlegen, die man mit der Gruppe lesen kann
  9. Fragen erarbeiten
  10. Technische Hinweise / Klassenaufteilung