Tipps und Impulse für Gesprächsleiter

Aus SabbatschulWiki

Die Vorbereitung

1. Mache dich mit der Lektion vertraut
  • Studiere die Lektion gründlich, möglichst am Anfang der Woche.
  • Lies die angegebenen Bibeltexte in unterschiedlichen Bibelübersetzungen.
  • Ziehe ein Bibellexikon oder einen Kommentar zu Rate.
2. Anliegen der Studienanleitung erfassen
  • Was ist der entscheidende Grundgedanke?
  • Wie kann ich ihn aktualisieren?
  • Welches Ziel will ich ansteuern?
3. Schwerpunkte und Fragen festlegen
  • Welche Gedanken will ich unbedingt besprechen?
  • Welche Bibeltexte lesen?
  • Welche Fragen stellen?

Vorsicht! Manchmal schlägt eine Frage so ein, dass der Austausch mehr Zeit braucht als geplant. Dann muss man abwägen, welche Themen zu „opfern" sind. Bitte keine Bemerkungen über Zeitmangel – es liegt an dir, das Wichtigste zu besprechen.

4. Checkliste
  • Bin ich mir über das Anliegen des Wochenthemas im Klaren?
  • Welches Ziel verfolge ich in meinem Gesprächskonzept?
  • Welche Begriffe muss ich klären?
  • Bin ich über die historischen Hintergründe informiert?
  • Lädt die Startfrage zum Gedankenaustausch ein?
  • Sind meine Fragen verständlich, interessant, bedeutungsvoll, lebensnah?
  • Welche Art von Fragen stelle ich? Diskussionsfragen? Nur Wissensfragen?
  • Geht mein Abschluss auf das Anliegen des Textes ein?
  • Hätte ich selbst Freude daran, mit meinem Gesprächskonzept den Bibelabschnitt zu entdecken?
  • Reißt mein Konzept zu viele Grundprobleme an? Sollte ich mich auf weniger beschränken?
  • Welche Fragen könnte ich auslassen, falls das Thema zu viel Zeit in Anspruch nimmt?


Persönliche Einstellungen des Gesprächsleiters

Gleichgewicht zwischen Gesprächspartner und Lehrer
  • Die Gruppe verfügt oft über mehr Wissen und Erfahrung als der Leiter.
  • Aktiviere zum Denken – flechte nötige Informationen ein.
  • Kein Belehren, kein Abfragen, kein Vortrag.
  • Nicht Alles- oder Besserwisser sein.
Haltungen, die ein gutes Gespräch ermöglichen
  • Offenheit: Das Gesprächsziel der Gruppe kann von deinem abweichen – das ist in Ordnung.
  • Grenzen akzeptieren: Nicht jeder Teilnehmer stimmt neuen Erkenntnissen zu. Manche Fragen lassen sich nicht restlos klären.
  • Unparteiisch bleiben: Zulässige Meinungsverschiedenheiten aushalten.
  • Antworten anerkennen: Jede Antwort so positiv wie möglich aufnehmen.
  • Mehr als eine Antwort erwarten: Keine einzige „richtige" Antwort voraussetzen.
Klare Sprache verwenden
  • Vermeide Fachausdrücke, auch theologische.
  • Unklare Begriffe definieren: „Was meinst du mit …?"
  • Biblische Redeweise auch in moderne Sprache übersetzen.
Den „sozialen Kreis" beachten
  • Er besteht aus Lehrer/Leiter und aktiven Teilnehmern – passive fühlen sich als Zaungäste.
  • Je früher jemand etwas sagt, desto leichter fällt weitere Beteiligung.
  • Beteiligungsfreundlichkeit steht im umgekehrten Verhältnis zur Redefreudigkeit des Lehrers.
  • Alle Teilnehmer möglichst schnell einbeziehen: Aufzählungsfrage, Rundgespräch.
  • Vermeide lange Einleitungen oder viele Erklärungen zu Beginn.
Stumme Teilnehmer zum Reden bringen
  • Häufigen Augenkontakt wahren.
  • Auf Körperzeichen achten (Kopfbewegungen, Augen).
  • Gelegentlich ihre Meinung erbitten.
  • Ein Rundgespräch einschieben.
  • Auf erhobene Hände und zaghafte Äußerungen achten.
  • Interessiert zuhören, bis der andere ausgeredet hat.


Grundregeln für das Gespräch

  1. Guter Start mit geeigneter Startfrage – auf die erste Antwort warten.
  2. Angenehme, entspannte Atmosphäre schaffen – Kampfgeist durch Neutralität verhindern.
  3. Gesprächsleiter sein, nicht Dozent. Echte Fragen stellen.
  4. Zuhören und Meldungen der Teilnehmer registrieren.
  5. Die Schüchternen fördern, die Vorwitzigen dämpfen.
  6. Fragen aus der Gruppe an die Gruppe zurückgeben.
  7. Gleichzeitiges Reden unterbinden.
  8. Angemessene Haltung einnehmen – nicht zu lässig, nicht zu steif.
  9. Ständiger Blickkontakt.
  10. Möglichst keine Bewertungen zur Qualität von Antworten abgeben – neutral und unparteiisch bleiben.
  11. Vorsicht mit Tadel gegenüber der Gruppe (z. B. wegen mangelnder Beteiligung). Das Problem liegt häufig nicht bei der Gruppe.
  12. Rechtzeitig einen Fragenkreis abbrechen und zum nächsten Gedanken weitergehen.
  13. Möglichst alle Teilnehmer einbinden (z. B. durch ein Rundgespräch).
  14. Keine „Sprache Kanaans" – einfache, moderne Sprache verwenden.
  15. Flexibilität: Fragen umstellen oder auslassen, wenn nötig.
  16. Nicht über Zeitmangel klagen.
  17. Antworten bei schwieriger Akustik wiederholen, damit alle folgen können.
  18. Gelegentlich zusammenfassen, um das Gespräch zu strukturieren.
  19. Gliederung erkennbar werden lassen.
  20. Ziel erreichen und am Abschluss das Hauptthema in zwei bis drei Kernsätzen zusammenfassen.

Bei theologisch falschen Antworten: Der Gruppe zuerst die Möglichkeit zur Korrektur geben. Kommt keine Reaktion, muss der Gesprächsleiter Stellung beziehen – dabei besser nicht die eigene Meinung, sondern die Bibel oder die Gemeindeauffassung zitieren: „Die Bibel sagt dazu …" oder „Die Auffassung der Adventgemeinde ist …"


Die Kunst der Fragestellung

Zu vermeidende Fragetypen

Diese Fragetypen solltest du vermeiden

Ja/Nein-Fragen
Lassen nur „Ja" oder „Nein" zu. Bsp.: Hat Gott die Welt erschaffen?

Entscheidungsfragen
Fordern zum Beziehen eines Standpunkts auf – haben ihren Ort eher in Bibelstunden. Bsp.: Willst du nach dem Vorbild Jesu den Sabbat halten?

Suggestivfragen
Beeinflussen und drängen in eine Richtung. Bsp.: Erhört Gott nicht auch heute noch Gebete?

Ein-Wort-Fragen
Erlauben nur eine einwörtliche Antwort. Bsp.: Wen verriet Judas?

Schwarz-Weiß-Fragen
Lassen nur die Wahl zwischen zwei Polen. Bsp.: Welche Absicht hat Satan mit uns?

Doppelfragen
Verbinden zwei Fragen miteinander. Bsp.: Warum war Johannes Prophet und welche Aufgaben waren ihm übertragen?

Offene Fragen – Fragen für das Gespräch

Fragen zum Bibeltext

Haben das Ziel, die Aussage eines Textes zu klären, nicht sofort Offensichtliches zu erkennen und Zusammenhänge deutlich zu machen.

Sachfragen – um den Bibeltext zu erklären.
Bsp.: Warum schickte Gott Jeremia zum Töpfer?

Aufzählungsfragen – mehrere Elemente können aufgelistet werden.
Bsp.: Welche unterschiedlichen Titel für Christus finden wir in diesem Textabschnitt?

Fragen zur Anwendung

Helfen, biblische Wahrheiten im Alltag in die Tat umzusetzen – von der Theorie zur Praxis. Wir nennen sie auch „echte Fragen".

Das Rundgespräch

Eine Frage nach der persönlichen Überzeugung bzw. Erfahrung wird gestellt. Der Gesprächsleiter erklärt die Regeln: Einer antwortet zuerst, nickt dann seinem Sitznachbarn zu, der als Nächster dran ist – so geht es reih um. Wer nicht antworten möchte, gibt einfach weiter. Manchmal hilft es, einen Gegenstand (Kugelschreiber, Stein) herumzugeben. Die Antworten werden nicht kommentiert oder diskutiert – wir hören einander aufmerksam zu.

Katechetische Fragen

Wer katechetische Fragen stellt, fungiert als Lehrer, der Schüler abfragt. Als Erwachsener antwortet man auf solche Fragen ungern oder gar nicht – man fühlt sich wie ein Kind behandelt.

Bsp.: Wer erweckte den toten Lazarus zum Leben? / Also hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen …?

Das Entscheidende: Es kommt kein echtes Gespräch zustande. Die Folgen bei Teilnehmern:

  • Frustration
  • Langeweile
  • Stereotype Antworten
  • Geringe Beteiligung
Katechetische Fragen Echte Fragen
Bevormunden Wirkliches Interesse
Von oben herab Auf gleicher Stufe
Kindergarten Gespräch unter Erwachsenen
Wissen abfragen Verschiedene Auffassungen abwägen
Der Fragende weiß die Antwort Der Fragende weiß die Antwort „nicht"
Der Fragende kontrolliert richtig oder falsch Der Befragte steht vor einer Entscheidung
Einwort- oder Schwarz-Weiß-Fragen Meinungsfragen
Belehrende Grundhaltung Fragende Grundhaltung

Die Startfrage

Die Startfrage soll …
  • … auf das Ziel des Gespräches hin ausgerichtet sein.
  • … das Gespräch eröffnen.
  • … eine Vielzahl von Antworten ermöglichen (also eine „echte Frage" sein).
  • … möglichst eine Frage aus dem Alltag sein.
  • … möglichst eine echte Problemstellung enthalten.
  • … sie kann auch eine Definitionsfrage sein.

Eine Gefahr bei der Startfrage: Man bleibt bei ihr hängen. Der Gesprächsleiter muss den Mut haben, das Gespräch zum rechten Zeitpunkt weiterzuleiten. Alternativ kann man auch direkt mit einem Bibeltext einsteigen – doch das Ziel muss stets im Blick bleiben.


Die Lehrervorbereitung

Wann soll die Lehrervorbereitung stattfinden?

  • Am Sabbat vor dem Gottesdienst
  • Während der Woche – hat den Vorteil, die Erkenntnisse aus der Lehrervorbereitung noch gut in das eigene Gespräch einbauen zu können.

Sinn und Zweck der Lehrervorbereitung

  • Gedankenaustausch über das geplante Gespräch in der Sabbatschulgruppe.
  • Neben inhaltlichen Fragen (was?) werden vor allem methodisch-didaktische Vorgehensweisen (wie?) besprochen.
  • Die einzelnen Sabbatschullehrer gewinnen Klarheit über ihr Vorgehen im Bibelgespräch.
  • Die persönlichen Gesprächskonzepte werden durch hilfreiche Ergänzungen der anderen Teilnehmer bereichert.
Was die Lehrervorbereitung NICHT ist
  • Vorgezogene Sabbatschulklasse
  • Ersatz für die persönliche Vorbereitung
  • Gleichschaltung der Sabbatschullehrer
  • Zeitvergeudung

Die Gesprächsleiter kommen …

  • Pünktlich
  • Mit ausgefüllter und vorbereiteter Lektion
  • Mit einem Vorschlag zur Startfrage
  • Mit Vorschlägen für Fragen
  • Mit einem Vorschlag für die Zielsetzung
  • Mit Ideen für die Gesprächsführung

Schwerpunkte der Lehrervorbereitung

Kernbotschaft und persönliche Ziele

Was ist für euch die Kernbotschaft dieses Themas? Welches persönliche Ziel habt ihr für das Gespräch? Welche aktuellen Schlussfolgerungen oder praktischen Konsequenzen stehen dahinter?

Offene Fragen / Klärungsbedarf

Welche inhaltlichen und theologischen Fragen zum Thema müssen wir klären? Auf welche Fragen aus der Klasse sollten wir vorbereitet sein?

Roter Faden

Welche Gedanken und Themen wollt ihr ansprechen? Mit welchen Diskussionsfragen bringt ihr sie ins Gespräch? Wie reiht ihr eure Fragen aneinander, so dass ein roter Faden entsteht?

Einstieg / Startfrage

Mit welcher Startfrage würdet ihr in das Thema einsteigen? Welche Alternativen stehen zur Verfügung?

Abschluss

Mit welcher Frage wollt ihr das Gespräch abschließen? Welches Aha-Erlebnis sollte am Ende stehen?

Vorschlag für den Ablauf einer Lehrervorbereitung

Schritt Inhalt
1 Gebet
2 Ziel des Bibelgesprächs besprechen
3 Startfragen überdenken und beste Startfrage(n) finden
4 Bibeltexte festlegen und Fragen austauschen (4 Bibeltexte sind meist ausreichend)
5 Abschluss besprechen
6 Gliederung und Gesprächsaufbau festlegen – was kann bei Zeitknappheit weggelassen werden?
7 Theologische Probleme klären (sofern vorhanden)
8 Technische Hinweise / Klassenaufteilung