Übersicht zum Viertel von Thomas Wagner: Unterschied zwischen den Versionen

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(Austausch des Textes für das kommende / laufende Quartal)
(Übersicht über das II. Quartal 2020)
 
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==Übersicht über das I. Quartal 2020==
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==Übersicht über das II. Quartal 2020==
  
In diesem Quartal beschäftigt uns das Buch Daniel. Von Daniel haben sicher die meisten von uns schon als Kind gehört – und, wie bei vielen der altbekannten Geschichten, meint man häufig, man kenne schon alles. Die intensive Beschäftigung mit diesem Buch gibt uns die Möglichkeit, mal wieder ganz genau hinzuschauen und uns zu fragen: Wer war Daniel (nicht)? Was war Daniel (nicht)? Wie war Daniel (nicht)? Denn manchmal entdeckt man auch etwas Neues, wenn man überlegt, was fehlt / nicht da ist (siehe auch Esra vom 4. Quartal 2019). Besondere Einblicke lassen sich evtl. erhalten, wenn man sich bei jedem Wochenthema fragt, was sich im Text über die Beziehung von Gott zu den Menschen, insbesondere dem jeweiligen König sowie Daniel, finden lässt – denn häufig wird darüber nicht direkt gesprochen; wir entdecken das erst, wenn wir uns in die jeweiligen Personen hineinversetzen (Wie hätte ich gehandelt? Welche Gefühle / Gedanken hätte ich dabei? Geht es mir auch manchmal so?)
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In der Bibel lesen wir Tag für Tag, Woche für Woche. Trotzdem ist es gut, sich hin und wieder zu fragen: „Verstehst du auch, was du liest?(Apg. 8, 30) Wenn wir die Bibel als Buch betrachten, stellen wir fest, dass sie aus vielen verschiedenen Büchern zusammengefügt ist. Vergleichbar mit anderen Büchern finden wir darin Abschnitte, die man als romanhaft (Geschichten über einzelne Personen zB. Urväter, David, Jona, …), Geschichtsbuch, Nachschlagewerk / Ratgeberliteratur, „Enthüllungsbuch“, … bezeichnen könnte. Lesen wir diese unterschiedlichen Abschnitte auch unterschiedlich? Das Bibelstudienheft möchte uns in diesem Quartal Hinweise und Tipps geben, wie wir die Bibel gewinnbringend lesen können.
  
Das Buch Daniel hat 12 Kapitel. Deswegen wird die erste Wochenlektion dafür genutzt, Textarbeit zu betreiben: welche Strukturen sind zu finden, in welcher Sprache ist das Daniel-Buch geschrieben, welcher Textgattung lässt sich das Buch zuordnen. In welchen Zeiteinheiten und von welchen Zeitspannen wird gesprochen und welche Deutungen gibt es / hat es schon gegeben (1.).
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In der ersten Woche entdecken wir gemeinsam Merkmale, welche die Bibel zu einem einzigartigen Buch machen. Die Entstehung und Überlieferung ebenso wie die Bibel als Gesamtwerk, obwohl viele verschiedene Autoren daran beteiligt sind. Ihre Zuverlässigkeit und Verankerung im Zeitgeschehen und die damit einhergehende Bedeutung für einzelne, aber auch Gruppen und ihre Wirkung. Letztlich beruht das alles darauf, dass Gott als Urheber und Autorität hinter der gesamten Bibel steht (1.). Die Bibel ist Gottes Wort und entsteht dadurch, dass Menschen für Gottes Wirken offen sind. Damit das Wort in mir auch als Botschaft Gottes zum Tragen kommt und lebendig wird, muss Gott auch in mir wirken. Damit lässt sich formulieren: Gottes Wort entsteht durch das Wirken Gottes im Menschen. Gottes Wort wird lebendig durch das Wirken Gottes im Menschen (2.).  
  
Daniel hat die Pubertät kaum hinter sich – oder steckt noch mitten drin – als er aus seiner gewohnten Umgebung herausgerissen wird. Seine hohe Herkunft ist in Babylon kaum noch etwas wert, seine Perspektiven sind glänzend (wenn er sich anpasst – wie viele andere Söhne aus Juda haben das getan?), er hat aber auch kaum Alternativen. In dieser Situation entscheidet er sich dafür, so weit wie möglich gemäß Gottes Willen zu leben. Wahrscheinlich hat er keine hochgesteckten Ziele, das ermöglicht und schenkt ihm Gott alles, weil Daniel nur „nach Gottes Reich trachtet“ (2.).  
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Wir orientieren uns in unserm Handeln immer wieder an biblischen Vorbildern. So können wir auch in diesem Punkt fragen: wie haben Jesus und die Apostel das Wort Gottes in ihr Leben einbezogen? Wie haben sie vorhandene Schriften (des heutigen AT) in ihren Predigten verwendet? Dazu ist zu bedenken, dass uns evtl. nur die Kurzfassungen der Predigten überliefert ist (liest man überlieferte Predigten laut vor – wie lange würde das dauern? Passt diese Zeit zu den angegebenen Zeiten zur Predigtdauer? Passt eine Predigt in dieser Art zur mediterranen Kultur?) (3.). Die Art, wie wir Bibel lesen, ist auch davon abhängig, (in) welcher Tradition / Umfeld wir aufwachsen (entwachsen), welche persönlichen Erfahrungen wir schon mit Gott gemacht haben, welches Grundwissen über Sprache der Urschriften und die Sprache meiner Bibel(übersetzung) vorhanden ist, …  Aber: Gott will jeden Menschen direkt sein Wort verstehen lassen → entscheidend für das Verständnis der biblischen Texte ist neben dem Wunsch, Gottes Wort zu verstehen, das Vertrauen in Gott und seine Führung (4.).  
  
Nebukadnezar beschäftigt sich mit der Zukunft (seines Reiches) – Gott schenkt ihm einen Blick darauf, aber über den Glanz vergangener Reiche erfährt er nichts, das frühere ist unwichtig. Gott schenkt Orientierung, Gott offenbart sich (dem heidnischen König), Gott wird verherrlicht – welche Rolle spielt dabei Daniels Handeln (3.)? Nebukadnezar handelt mit dem Geschehen um das goldene Standbild und dem Feuerofen gegen besseres Wissen – ist das ein Versuch, die Zukunft zu verändern, die nicht veränderbar ist? Liegt es an der menschlichen Eigenschaft, gelernte Lektionen (wieder) zu vergessen? Daniels Freunde bleiben standhaft – aber nicht wegen einer göttlichen Belohnung, sondern aus Respekt vor Gott. So erinnern sie den König wieder an den Respekt, den dieser – mit ihnen – Gott schuldig ist (4.). Nebukadnezar weicht dieser Erkenntnis aus und wird gewarnt. Ein Jahr nach dem Traum verfällt der König dem Wahnsinn – wo war Daniel in dieser Zeit, warum hatte der König ihn nicht um sich? Oder hätte Daniel nichts daran ändern können? Das ist die Gefahr, wenn wir der Umsetzung einer Erkenntnis dauerhaft ausweichen – dass sich unser Verhältnis zur Wirklichkeit und unsere Beziehungen dramatisch verschlechtern – unser seelisches Wohlbefinden leidet darunter. Daniel tritt dem König gegenüber unverändert respektvoll, mitfühlend und ehrlich auf (5.).
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Die protestantische Tradition, in der wir als (Frei)Kirche stehen, hat den Grundsatz „sola scriptura“. Das kann mehrere Bedeutungen haben:
  
Respektlos, nicht zukunftsgewandt und verblendet ist der letzte König des Reiches Babylon (solche „Könige“ gibt es heute auch). Gott zeigt ihm Grenzen auf warum? Sonst macht Gott dies auch nicht immer, oder? So wenig sich der König vom Geschehen beeindrucken lässt, ist die Königinmutter von Gott beeindruckt – durch Daniels beeindruckendes Verhalten in der Geschichte der babylonischen Könige (6.). Ein Reich löst das andere ab – und der neue König ist schlau genug, Daniel ins Machtzentrum zu holen. Aber er ist auch eitel genug, sich schmeicheln zu lassen und kurzsichtig genug, nicht über die Konsequenzen seines Handelns nachzudenken – damit ist er für uns ein warnendes Beispiel. Besteht Gott auf Ritualen? Daniel lässt sich nicht fremdbestimmen, er bleibt sich (und Gott) treu. Ihm ist wie seinen 3 Freunden zuvor das Leben nicht wichtiger als seine Integrität. Gott belohnt (macht er das immer – können wir ihn dazu verpflichten?) seinen Freund (damit gehört Daniel in die Reihe von Gottes Freunden wie Abraham, Mose, David und Johannes) dafür und rettet ihn (7.).
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- es gibt kein Schriftwerk von größerer Bedeutung – die Bibel steht ''allein'' an der Spitze
  
Auch Daniel hat einen Traum, ungefragt und ungewollt (?), wie Nebukadnezar. Auch Daniel träumt von den 4 Reichen, aber detaillierter. Das 1. Tier wird menschlich bedeutet das, dass Nebukadnezar von Gott angenommen ist? Alle Tiere erscheinen mächtig – werden zuletzt aber gerichtet: es gibt jemand, der viel mächtiger ist als sie (8.). Daniel hat eine weitere Vision, und sieht mehr Details, besonders zum 2. + 3. Tier. Hier fehlt eine Gerichtsszene wo ist hier die hoffnungsvolle Perspektive? Die Zeit ist gesetzt, ein zeitlicher Rahmen damit vorgegeben – es kann auf das Ende hin abgezählt werden. Je detaillierter die Vision, desto schlechter scheint es Daniel danach zu gehen. Ist die Vision von Daniel für uns eher verstörend – oder beruhigend? Wichtig ist Vers 18: die Vision soll nicht Ohnmacht bringen, sondern Standhaftigkeit / Handlungsfähigkeit! (9.). Daniel liest viel in den Schriften, er versteht, bekennt, lobt und fleht – all das bringt eine enge Beziehung zu Gott zum Ausdruck. Gott liebt Daniel; er zeigt ihm etwas, was nichts mit den Mächten und politischen Reichen dieser Welt zu tun hat, sondern auf religiöser Ebene spielt: den absoluten Höhepunkt der Erlösungsgeschichte Gottes mit den Menschen (10.).
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- die vielen Bücher der Bibel bilden nur ''ein'' Schriftwerk
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- in der ganzen Schrift geht es nur um ''ein'' Thema: die Beziehung Gottes zu den Menschen
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- die Schrift ''allein'' reicht aus, sie erklärt sich selbst; Sekundärliteratur ist nicht erforderlich – die Bibel ist das hellste Licht und muss nicht durch anderes Licht erhellt werden) (5.).
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Was ist Bibelauslegung? Wenn unterschiedliche Personen den gleichen Text lesen, können sie (bedingt durch unterschiedliche Blickrichtung / Standpunkte, Übersetzungen, Kultur, …) unterschiedliche Antworten finden auf die Frage: was will der Text von mir? Was meint er? Unterschiedliche Antworten zu finden, ist dabei durchaus zulässig und in Ordnung. Hilfen dabei einzuordnen, ob der Text richtig ausgelegt wird, sind dabei folgende Überlegungen – sie sollten mit „Ja“ beantwortet werden können:
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- das Zentrum von Gottes Wort ist die Beziehung Gottes mit den Menschen, der Erlösungsplan in Jesus Christus (spiegelt sich das in meiner Auslegung wieder?)
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- war der Hl. Geist bei der Auslegung wirksam in mir?
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- ist meine Auslegung anwendbar? Bin ich herausgefordert, in meinem Leben etwas zu ändern? (6.).  
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Gerade bei der Übersetzung von Texten wird deutlich, wie wichtig es ist, die Bedeutungen der einzelnen Worte zu kennen, die sich je nach Kontext – unterscheiden können. Die Stellung im Satz kann eine Bedeutung hervorheben oder abschwächen, der Zusammenhang im Abschnitt kann andeuten, dass der Schwerpunkt anders zu setzen ist (7.). Beispielhaft wird der Schöpfungsbericht der Bibel thematisiert, in dem nicht einfach nur berichtet wird, wie Gott die Welt geschaffen hat. Dadurch wird gleichzeitig verdeutlicht, dass Gott einen konkreten Plan verfolgt, mit dem was er tut, und an einer persönlichen Beziehung mit dem Menschen interessiert ist – das kann als Muster für die gesamte Bibel verstanden werden (8.). Gleichzeitig wird an der Schöpfungsgeschichte auch erkennbar, dass viele Texte noch einen Subtext in sich tragen, dessen sich die Autoren gar nicht bewusst sind. Was erfahren wir über die Schreiber / gesellschaftliche Situation / Weltbild, wenn sie von bestimmten Ereignissen, Verhältnissen / Pflanzen / Tieren / … berichten. Andererseits lassen wir uns unterstellen, wir würden daran glauben, dass sich die Sonne um die Erde dreht, wenn wir vom Sonnenuntergang sprechen? Haben die Menschen damals das gleiche gemeint wie wir, wenn von einem Fisch die Rede ist (unsere heutige Einteilung ist auch erst ca. 250 Jahre alt)? Die Zuschreibung angeblichen Nicht-Wissens aufgrund unserer heutigen Erkenntnis / Einteilung ist auch nicht wissenschaftlich sauber (9.).
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In der Bibel werden Geschichten lebendig (erzählt), die Menschen (mit Gott) erlebt haben – dadurch entsteht gleichzeitig ein (Teil-)Bild der Geschichte, das sonst kaum durch außerbiblische Zeugen erhellt wird. Lange wurde deshalb die Glaubwürdigkeit der Bibel angezweifelt. Auch wenn wir heute archäologische Funde haben, die nach und nach die Verlässlichkeit der Bibel bestätigen, so ist doch zu sagen, dass es nicht das Anliegen der Bibel ist, im Sinne der heutigen Geschichtswissenschaft (neutral / objektiv, auf Basis umfassender Quellenlage / …) Geschichtsschreibung zu betreiben (10.).
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Die biblischen Prophezeiungen sind uns sehr wichtig. Umso wichtiger ist es, die Rahmenbedingungen zur korrekten Auslegung biblischer Prophezeiungen für die und in der Gegenwart zu benennen:
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- was ist grundsätzlich der Zweck von biblischen Prophezeiungen?  
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- welche Bedeutung hatte die Prophezeiungen damals?
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- welche Symbole / Zahlen / Bilder / … werden verwendet, die gedeutet werden müssen?
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- in welchem Zusammenhang steht die jeweilige Prophezeiung mit dem Erlösungsplan?
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- inwiefern können biblische Personen und Ereignisse als Vorbild / Schablone („Typos“) für heutige Personen / Ereignisse übertragen werden? (11.)  
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Nicht zuletzt sollen wir uns auch bewusst machen, dass es immer wieder Texte geben wird, die ich/wir nicht verstehe/n. Auch wenn es dafür mehrere Gründe geben kann, so kann in diesen Situationen folgendes weiterhelfen:
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- bin ich bereit, mich selbst infrage stellen zu lassen? (Hebr. 4, 12+13)
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- bin ich bereit zuzugeben, dass ich noch nicht alles weiß und noch nicht alles erkannt habe? An dem Punkt, alles zu wissen, war selbst Paulus noch nicht angekommen ;-) (1. Kor. 13, 12)
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- bin ich bereit, zum Kern des Textes vorzudringen und mich nicht länger an Nebensächlichkeiten aufzuhalten? (Tit. 3, 9)
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- bin ich bereit, nur das als „erkannt“ zu erachten, was ich auch umsetze / anwende? (Phil. 3, 12+16)
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- bin ich bereit, geduldig zu sein, bis Gott mir Erkenntnis schenkt? Schließlich ist es ein Weg der Erkenntnis und kein Sprung (12.).
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Wir glauben, dass Gottes Wort die Macht hat, Menschen zu verändern. Das ist auch richtig, aber nach wie vor gilt: die Bibel verändert – zuerst mich! (13.).
  
Daniel trauert und fastet (Genuss-Fasten – er enthält sich wohlschmeckender / -tuender Dinge) 3 Wochen lang. Daniel bekommt eine weitere Offenbarung – und ist wieder etwas geschwächt und wird ohnmächtig. Gott stärkt ihn wiederum und schenkt ihm die Erklärung der Vision (11.). In dieser letzten Vision ringen 2 Mächte um die Vorherrschaft, keine gewinnt dauerhaft die Vormachtstellung, man könnte dem wechselvollen Spiel überdrüssig werden. Es tauchen scheinbar moderne Elemente auf: Revolutionen, die vom Volk aus gehen, Verhandlungen am runden Tisch, Bündnisse, Gerüchte (Fake News). Gegen das Ende ist jeder machtlos, niemand kann es aufhalten. (12.). Was steht am Ende? Gott ist Sieger, er bringt Rettung. Mit ihm kommt Herrlichkeit und Erkenntnis, Gott schenkt Gewissheit und Sicherheit. Mit dieser tröstlichen und persönlichen Verheißung für Daniel endet das Buch – und wir dürfen im Glauben diese Zusage auch für uns in Anspruch nehmen.
 
  
 
PS: Die in Klammern gesetzten Zahlen beziehen sich auf die Wochennummern der Themen in den Studienheften zur Bibel.
 
PS: Die in Klammern gesetzten Zahlen beziehen sich auf die Wochennummern der Themen in den Studienheften zur Bibel.

Aktuelle Version vom 26. März 2020, 22:26 Uhr

Übersicht über das II. Quartal 2020

In der Bibel lesen wir Tag für Tag, Woche für Woche. Trotzdem ist es gut, sich hin und wieder zu fragen: „Verstehst du auch, was du liest?“ (Apg. 8, 30) Wenn wir die Bibel als Buch betrachten, stellen wir fest, dass sie aus vielen verschiedenen Büchern zusammengefügt ist. Vergleichbar mit anderen Büchern finden wir darin Abschnitte, die man als romanhaft (Geschichten über einzelne Personen zB. Urväter, David, Jona, …), Geschichtsbuch, Nachschlagewerk / Ratgeberliteratur, „Enthüllungsbuch“, … bezeichnen könnte. Lesen wir diese unterschiedlichen Abschnitte auch unterschiedlich? Das Bibelstudienheft möchte uns in diesem Quartal Hinweise und Tipps geben, wie wir die Bibel gewinnbringend lesen können.

In der ersten Woche entdecken wir gemeinsam Merkmale, welche die Bibel zu einem einzigartigen Buch machen. Die Entstehung und Überlieferung ebenso wie die Bibel als Gesamtwerk, obwohl viele verschiedene Autoren daran beteiligt sind. Ihre Zuverlässigkeit und Verankerung im Zeitgeschehen und die damit einhergehende Bedeutung für einzelne, aber auch Gruppen und ihre Wirkung. Letztlich beruht das alles darauf, dass Gott als Urheber und Autorität hinter der gesamten Bibel steht (1.). Die Bibel ist Gottes Wort und entsteht dadurch, dass Menschen für Gottes Wirken offen sind. Damit das Wort in mir auch als Botschaft Gottes zum Tragen kommt und lebendig wird, muss Gott auch in mir wirken. Damit lässt sich formulieren: Gottes Wort entsteht durch das Wirken Gottes im Menschen. Gottes Wort wird lebendig durch das Wirken Gottes im Menschen (2.).

Wir orientieren uns in unserm Handeln immer wieder an biblischen Vorbildern. So können wir auch in diesem Punkt fragen: wie haben Jesus und die Apostel das Wort Gottes in ihr Leben einbezogen? Wie haben sie vorhandene Schriften (des heutigen AT) in ihren Predigten verwendet? Dazu ist zu bedenken, dass uns evtl. nur die Kurzfassungen der Predigten überliefert ist (liest man überlieferte Predigten laut vor – wie lange würde das dauern? Passt diese Zeit zu den angegebenen Zeiten zur Predigtdauer? Passt eine Predigt in dieser Art zur mediterranen Kultur?) (3.). Die Art, wie wir Bibel lesen, ist auch davon abhängig, (in) welcher Tradition / Umfeld wir aufwachsen (entwachsen), welche persönlichen Erfahrungen wir schon mit Gott gemacht haben, welches Grundwissen über Sprache der Urschriften und die Sprache meiner Bibel(übersetzung) vorhanden ist, … Aber: Gott will jeden Menschen direkt sein Wort verstehen lassen → entscheidend für das Verständnis der biblischen Texte ist neben dem Wunsch, Gottes Wort zu verstehen, das Vertrauen in Gott und seine Führung (4.).

Die protestantische Tradition, in der wir als (Frei)Kirche stehen, hat den Grundsatz „sola scriptura“. Das kann mehrere Bedeutungen haben:

- es gibt kein Schriftwerk von größerer Bedeutung – die Bibel steht allein an der Spitze

- die vielen Bücher der Bibel bilden nur ein Schriftwerk

- in der ganzen Schrift geht es nur um ein Thema: die Beziehung Gottes zu den Menschen

- die Schrift allein reicht aus, sie erklärt sich selbst; Sekundärliteratur ist nicht erforderlich – die Bibel ist das hellste Licht und muss nicht durch anderes Licht erhellt werden) (5.).

Was ist Bibelauslegung? Wenn unterschiedliche Personen den gleichen Text lesen, können sie (bedingt durch unterschiedliche Blickrichtung / Standpunkte, Übersetzungen, Kultur, …) unterschiedliche Antworten finden auf die Frage: was will der Text von mir? Was meint er? Unterschiedliche Antworten zu finden, ist dabei durchaus zulässig und in Ordnung. Hilfen dabei einzuordnen, ob der Text richtig ausgelegt wird, sind dabei folgende Überlegungen – sie sollten mit „Ja“ beantwortet werden können:

- das Zentrum von Gottes Wort ist die Beziehung Gottes mit den Menschen, der Erlösungsplan in Jesus Christus (spiegelt sich das in meiner Auslegung wieder?)

- war der Hl. Geist bei der Auslegung wirksam in mir?

- ist meine Auslegung anwendbar? Bin ich herausgefordert, in meinem Leben etwas zu ändern? (6.).

Gerade bei der Übersetzung von Texten wird deutlich, wie wichtig es ist, die Bedeutungen der einzelnen Worte zu kennen, die sich – je nach Kontext – unterscheiden können. Die Stellung im Satz kann eine Bedeutung hervorheben oder abschwächen, der Zusammenhang im Abschnitt kann andeuten, dass der Schwerpunkt anders zu setzen ist (7.). Beispielhaft wird der Schöpfungsbericht der Bibel thematisiert, in dem nicht einfach nur berichtet wird, wie Gott die Welt geschaffen hat. Dadurch wird gleichzeitig verdeutlicht, dass Gott einen konkreten Plan verfolgt, mit dem was er tut, und an einer persönlichen Beziehung mit dem Menschen interessiert ist – das kann als Muster für die gesamte Bibel verstanden werden (8.). Gleichzeitig wird an der Schöpfungsgeschichte auch erkennbar, dass viele Texte noch einen Subtext in sich tragen, dessen sich die Autoren gar nicht bewusst sind. Was erfahren wir über die Schreiber / gesellschaftliche Situation / Weltbild, wenn sie von bestimmten Ereignissen, Verhältnissen / Pflanzen / Tieren / … berichten. Andererseits – lassen wir uns unterstellen, wir würden daran glauben, dass sich die Sonne um die Erde dreht, wenn wir vom Sonnenuntergang sprechen? Haben die Menschen damals das gleiche gemeint wie wir, wenn von einem Fisch die Rede ist (unsere heutige Einteilung ist auch erst ca. 250 Jahre alt)? Die Zuschreibung angeblichen Nicht-Wissens aufgrund unserer heutigen Erkenntnis / Einteilung ist auch nicht wissenschaftlich sauber (9.).

In der Bibel werden Geschichten lebendig (erzählt), die Menschen (mit Gott) erlebt haben – dadurch entsteht gleichzeitig ein (Teil-)Bild der Geschichte, das sonst kaum durch außerbiblische Zeugen erhellt wird. Lange wurde deshalb die Glaubwürdigkeit der Bibel angezweifelt. Auch wenn wir heute archäologische Funde haben, die nach und nach die Verlässlichkeit der Bibel bestätigen, so ist doch zu sagen, dass es nicht das Anliegen der Bibel ist, im Sinne der heutigen Geschichtswissenschaft (neutral / objektiv, auf Basis umfassender Quellenlage / …) Geschichtsschreibung zu betreiben (10.).

Die biblischen Prophezeiungen sind uns sehr wichtig. Umso wichtiger ist es, die Rahmenbedingungen zur korrekten Auslegung biblischer Prophezeiungen für die und in der Gegenwart zu benennen:

- was ist grundsätzlich der Zweck von biblischen Prophezeiungen?

- welche Bedeutung hatte die Prophezeiungen damals?

- welche Symbole / Zahlen / Bilder / … werden verwendet, die gedeutet werden müssen?

- in welchem Zusammenhang steht die jeweilige Prophezeiung mit dem Erlösungsplan?

- inwiefern können biblische Personen und Ereignisse als Vorbild / Schablone („Typos“) für heutige Personen / Ereignisse übertragen werden? (11.)

Nicht zuletzt sollen wir uns auch bewusst machen, dass es immer wieder Texte geben wird, die ich/wir nicht verstehe/n. Auch wenn es dafür mehrere Gründe geben kann, so kann in diesen Situationen folgendes weiterhelfen:

- bin ich bereit, mich selbst infrage stellen zu lassen? (Hebr. 4, 12+13)

- bin ich bereit zuzugeben, dass ich noch nicht alles weiß und noch nicht alles erkannt habe? An dem Punkt, alles zu wissen, war selbst Paulus noch nicht angekommen ;-) (1. Kor. 13, 12)

- bin ich bereit, zum Kern des Textes vorzudringen und mich nicht länger an Nebensächlichkeiten aufzuhalten? (Tit. 3, 9)

- bin ich bereit, nur das als „erkannt“ zu erachten, was ich auch umsetze / anwende? (Phil. 3, 12+16)

- bin ich bereit, geduldig zu sein, bis Gott mir Erkenntnis schenkt? Schließlich ist es ein Weg der Erkenntnis und kein Sprung (12.).

Wir glauben, dass Gottes Wort die Macht hat, Menschen zu verändern. Das ist auch richtig, aber nach wie vor gilt: die Bibel verändert – zuerst mich! (13.).


PS: Die in Klammern gesetzten Zahlen beziehen sich auf die Wochennummern der Themen in den Studienheften zur Bibel.