Übersicht zum Viertel von Thomas Wagner

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Übersicht über das IV. Quartal 2019

Jahrzehnte, bevor die in den Büchern Esra und Nehemia geschilderten Ereignisse stattfinden, wird nach dem Nordreich auch das Südreich erobert und die Bevölkerung deportiert. Dies ist eine Situation, auf welche die Propheten immer wieder deutlich warnend hingewiesen haben, ohne jedoch Gehör zu finden. Sie riefen zu Gehorsam gegenüber Gott und seinen Geboten auf.

70 Jahre liegen zwischen den ersten Deportationen und der Gestattung der Rückkehr und ebenso 70 Jahre zwischen dem Fall Jerusalems mit der Zerstörung des Salomonischen Tempels und dem Erlass zu dessen Wiederaufbau – eine Zeitspanne, die Gott so angekündigt hatte. Doch die Heimkehrer kommen nicht in ein menschenleeres Land, auch wenn es weniger dicht besiedelt sein mag als zur Zeit der Landnahme unter Josua. Vor allem das Gebiet des ehemaligen Nordreiches und die anderen umliegenden Gebiete sind besiedelt. Diese Sippen sind zwar (noch zu Zeiten der Assyrer) in der Anbetung des „regionalen“ Gottes unterwiesen worden, die Heimkehrer akzeptieren diese jedoch nicht als legitime Nachfahren (im Glauben) von Abraham. So kommt es zwischen den Heimkehrern und den anderen Sippen in der Region immer wieder Spannungen, andererseits aber auch zu Kontakten, die teilweise intensiver sind, als sie für gut befunden werden. In dieser Gemengelage wirken Esra und Nehemia.

Gott kündigt Geschichte an (jedoch normalerweise nicht einzelne Ereignisse) und es geschieht wie angekündigt. So ist es auch mit der Heimkehr nach Juda und Jerusalem. Trotzdem liegt es in der Verantwortung der Menschen, die von Gott geschenkten Möglichkeiten zu nutzen (vgl. Eph. 2, 10) – (1.). Die Lage der Heimkehrer zur Zeit von Esra und Nehemia ist schlecht. Sie erleiden Unterdrückung und Verfolgung, die Menschen streben nach Sicherheit und Reichtum. Beides führt zur Missachtung des Willens Gottes. Nehemia hört von dieser Situation – ist sein Empfinden / Handeln darauf auch mein Empfinden / Handeln, wenn ich heute von solchen Situationen höre (2.)? Häufig sind es solche Situationen, in denen die Menschen nach Gott rufen. Wenn Gott darauf antwortet, wirkt er durch Menschen, die zum Dienen bereit sind. Besondere Merkmale sind Leidenschaft / Begeisterung für die Sache Gottes und Fähigkeiten, die Gott geschenkt und die Menschen weiterentwickelt haben (3.). Die Heimkehrer bekommen die Unterstützung der ansässigen Sippen angeboten, doch sie schlagen das Angebot aus. Wie fällt unsere Reaktion aus (Entmutigung, Ablehnung, Entschlossenheit, Dankbarkeit, ...) wenn wir fremde / externe Hilfe angeboten bekommen (4.)?

Esra und Nehemia gehen gegen egoistische, Gottes Willen missachtende Haltungen vor. Sie verleihen ihren Forderungen dadurch Nachdruck, indem sie mit gutem Beispiel vorangehen. Doch wie war es dazu gekommen, dass z.B. Nehemia Kreditgeber (vgl. Neh. 5, 10) war? Und wann darf ich von anderen vehement verlangen, was ich selbst erst jüngst erkannt habe (5.). Nehemia und Esra gelingt es durch Gottes Hilfe, das Land zu befrieden und zu sichern. Das Volk wendet sich nun aber nicht von Gott ab (wie es häufig in sicheren Zeiten beobachtet werden kann), sondern ihm zu (möglicher Grund: das Erlebnis, in kurzer Zeit mit Gottes Hilfe etwas erreicht zu haben, was vorher in vielen Jahren nicht gelungen ist). Gott wird ihnen lebendig im Wort – es trifft und macht betroffen. Dank Verständnis folgt Freude und der Wunsch nach geistlichem Wachstum (6.). Ein Rückblick in die Vergangenheit zeigt; Gott hat trotz zahlreicher, fortgesetzter Verfehlungen sein Volk nie ganz preisgegeben und bei ernster Umkehr immer Gnade vor Recht gewährt. Das gibt dem Volk Hoffnung – aber was will es? Der Wunsch, die Last fremder Könige nicht mehr tragen zu müssen, ist verständlich, aber ist das auch Gottes Wille (vgl. Jes. 49,6; Jes. 60,3) – (7.)? Gott hat seinen Bund nicht gebrochen und steht zu seinen Verheißungen. Das Volk geht eine Selbstverpflichtung ein und bestätigt, den Bund und Gottes Gebote ebenfalls halten zu wollen – ist das positiv zu werten oder eher Ausdruck gesetzlicher Haltung / Handelns? Ist die Selbstverpflichtung wirksam oder nur Absichtserklärung (vgl. Mt. 21, 28-30) – (8.)? Bei der Selbstverpflichtung werden viele Namen aufgelistet. Bei welcher Liste gehöre ich dazu: zu denen, die - umkehren / - sich motivieren lassen / - aufmerksam sind (z.B. sehen, wer fehlt) / - mutig sind und die gewohnte Sicherheit zurücklassen / - sich vom Wort begeistern lassen / - die dankbar sind (9.)? Gott ist es, der zur Vollendung führt, er gibt dem Volk, was es braucht. Wie kann Lob und Dank aussehen (z.B. materiell / gesellschaftlich / geistlich / …) – (10)? Manchmal scheint hartes Vorgehen unerlässlich zu sein, um die Einhaltung der Gebote Gottes zu erreichen – geschieht dies im Vertrauen darauf, dass Gott mächtig und wirksam ist und sein Volk nicht untergehen lässt? Was bewirkt hartes Vorgehen in den folgenden Generationen (von Handelnden), wie prägt es diese und ihre Prinzipien und Prioritäten (vgl. Entwicklung des Pharisäertums)? Inwiefern ist das harte Vorgehen vom „gesetzlichen“ Verständnis des Willens Gottes bestimmt / geprägt – hätte Nehemia in Kenntnis von Jesus und seines Wirkens anders gehandelt (11.)?

Wer früheres Handeln / Prinzipien / ... revidiert, verliert in Augen mancher sein Gesicht / seine Würde – kommt dies doch dem Eingeständnis gleich, Fehler gemacht zu haben / zu wenig gewusst zu haben; dies ist allerdings eine von der Vergangenheit geprägte / auf die Vergangenheit ausgerichtete Haltung. Christen sollten auf die Zukunft ausgerichtet / von der Zukunft geprägt sein – dann ist eine Neuausrichtung / Umkehr jederzeit ohne Gesichtsverlust möglich und gleichzeitig ein Zeichen von Demut / Gottvertrauen / … (12.). Kann Nehemia / Esra ein Vorbild als Leiter für uns sein? Vorbildliche Leiter lassen sich führen (haben eine Vision), haben das große Ganze im Blick (strategisches Denken), verlieren nicht die Bodenhaftung (vorbildhaftes Handeln), sind begeistert (lassen sich nicht schnell entmutigen), leben nicht aus eigener / begrenzter Kraft (vertrauen auf Gott) und kreisen nicht um sich selbst (handeln uneigennützig). Jesus war ein vorbildlicher Leiter – bin ich es auch (13.)?

PS: Die in Klammern gesetzten Zahlen beziehen sich auf die Wochennummern der Themen in den Studienheften zur Bibel.